Konjunktivland.txt

Leben im Konjunktivland. Da sein in der Möglichkeitsform, ohne jemals anzukommen, dafür die Zukunft so schön. Die Zukunft ist wunderbar, die Technik wird über alle Unzulänglichkeiten siegen, sie hat das Potenzial, seht euch doch mal nur das Internet an, jedoch: statt Hilfe nur Featureritits – schöner freudscher Vertipper, auch treffend. Die Handys könnten uns das Leben retten, aber leider sind sie so schnell veraltet, daß man sich nicht mit ihnen befreunden kann. Der Glaube an die Zukunft ist somit ein irriger – niemand kann darauf hoffen von Geräten erhört zu werden, die ihrerseits nur auf Befehle warten. So funktioniert Liebe nicht. Das sollte die Stunde unserer Generation sein. Die Menschen, die noch jung genug sind, daß sie die Faszination der Gadgets begreifen, aber alt genug, um die analoge Welt und ihre Benutzung noch mit eigenen Augen gesehen zu haben. Lasst uns uns einen Namen geben, fortan wollen wir die Analogisierer sein. Wir nehmen euch eure Spielzeuge weg, damit ihr erkennt, was man mit Leben meint. Und dann geben wir sie euch wieder und verlangen unseren gerechten Lohn dafür. Tagessatz plus Spesen. Und auf einmal wird deutlich, wie man wirklich große Dinge bewirken und erschaffen kann: durch Beschränkung. Doch predigen Sie mal einem Abhängigen! Der wird behaupten, daß er alles unter Kontrolle hat und ihre Dienste nicht benötigt, weil er sich schon selber darum kümmert. Und hier ist der harte Weg des Verzichts auch der unattraktive, denn: mit dem Gerät in der Hand und dem Auge auf dem Display fühlt sich Greti und Pleti als Teil der Gemeinschaft und durch das Wischen und Tippen als einen aktiven. Das Knöpfchendrücken und Verschieben von Icons, die Neugestaltung des Desktops, all dies sind Handlungen, die uns das beruhigende Gefühl geben, daß wir alles unter Kontrolle haben. Und dieses schöne Gefühl wollen wir doch nicht verlieren, besonders nicht angesichts der Weltlage, ausgelöste durch Menschen, die keine virtuellen Knöpfe drücken, sondern reale Türklinken und Hände. Der Putin steuert mittels Sprache seine Mitarbeiter und nicht sein Handy. Denn aus einem Werkzeug kommt nur soviel raus, wie du reinsteckst. Alles andere ist Ablenkung. Und so träumen wir offenen Auges davon, endlich wach zu werden. Einen Albtraum.

Abteilschallplatte

Reformstau. Kahlschlag an den Hängen des Gedankentransits. Überall Müll und kaputte Bilder, die Fahrt geht rückwärts. Präzisionsschützen liegen langbärtig auf den Dächern, die Augen geschlossen und aus ihren In-ear Funkgeräten erklingen Walgesänge oder Alphawellen. Es ist eine Zeit für Schokoriegel, king-sized, über der Kerze in einem Löffel aufgekocht und mit spitzer Nadel ins System gedrückt. Der Peanutbuttercrunch-Messias kommt zu allen, die an ihn glauben wollen. Kauen nicht notwendig. Derweil setze ich der Bedürfnispyramide das Gipfelkreuz auf, einmal dort oben angekommen will man nie wieder weg, tackert sich die Virtual Reality Brille an den Kopf und lässt sich von neu zu schaffenden Dienstleistungsberufen bewegen, füttern und den Hintern abputzen. Die Filterbubble zerstäubt unbemerkt, alles ist echt und schön. Ich habe Sehnsucht nach Kurvendiskussion, doch die wird nicht gestillt, meistens bleibt es ruhig, die Blicke wenden sich nach innen. Was wichtig ist, weiß niemand mehr, einzig in der Bejahung der Bewegung sind sich alle einig: Fortschreiten, Entwicklung, heute gut, morgen besser, jetzt hier, gleich dort, Wachstum und Optimierung, Stan und Ollie, nur noch lustiger. Wenn man nicht weiter weiß, dann sieht rumsitzen halt so unclever aus. Suche Heil in der Flucht, stürze kopfüber in Schriftzeichen und leier leise Lautschriften herunter, dann Abendbrot. Wenig später Bett. Es verspielt sich an Geschlechtsteilen, eigenen, fremden, bis Schlafen kam; das surreale Schauspiel endet endlich und der konkrete Ernstfall tritt ein: Traum.