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Die Hemmung endlich zu schreiben, als wären dort immerzu Augen, über die Schulter, in die Karten. Der große Seelenwunsch, hervorgespült zu werden, den Zufall zu beugen und bescheiden, aber innerlich brennend, Erwähnung zu finden, herausgehoben, ausgestellt, mit Geld überschüttet, in Gold aufgewogen: „Ich danke der Jury, meiner Familie, dem Hund und meiner rechten Hand, ohne die ich niemals.“ Da sind Bücher, Anleitungen, unruhige Blicke auf die Regale, unters Kinn, zur Kasse, kaufen oder kostenpflichtig bestellen. Ratgeber, wie es zu laufen hat. Der Klassiker „wie werde ich Millionär?“, übers Internet, 30€. Die Gedanken rauschen, ich bin doch ein menschliches Wesen, von Gott gewollt, wenn man an einen solchen Schmarrn glauben möchte, mit Bedacht ins Weltall geschissen, aber wahrscheinlich ein heiliger Unfall, Zufall. Und dann das Strampeln mit den vergänglichen Beinchen, jedoch auch immer wieder der Gedanke zum Gedanken, Meta, sich selber aufs Haupt spucken und zurück auf. Anfang. Die Kategorien, die Sprache, die Erde – sprengen, zerstreuen, auseinanderfinden und zusammentrennen. Und dann kommt die Stille, das Schlafen, die Beruhigung, nach dem Anfall, dem neuronalen Gewitter, der Überlast. Schnell den Fernseher befragen und in die Zukunft schauen, eine von vielen Realitäten – und denen, die Übelkeit empfinden, bleibt nur die schnöde, gebrauchte und abgenutzte Realität. Aber einer muss sich auch darum kümmern die Menschen zu versorgen. Es muss Ihnen der Popo abgewischt werden. Sie müssen gewendet werden, damit kein Dekubitus entsteht. Dafür hat man nach Feierabend den Badesee ganz für sich alleine. Es stellt sich Zufriedenheit ein. Das Nachtmahl duftet verführerisch. Aber ist es auch genug, ausreichend, zufriedenstellend?

Noch schweigt er

Everyday is like sunday. Die Anfangshürde, die genommen, gerissen, zu Fall gebracht werden muß, ist oftmals hoch, zuviel Zeit geht ins Land und wenn denn einmal die Vorleistung erbracht ist, Zeit freigeschaufelt, dann muß irgendein Blödsinn am Rechner installiert werden. Updates. Upgedated, eigentlich sollte es doch erneuern oder erneuert heißen, aber unsere Sprache kommt bei der Heim-IT an die Grenzen und zur besseren Verständigung gibt es dann was vom Sprachengemischtwarenladen. Der Montag und der nicht ganz so schlimme Brotjob drohen wieder zu mir herüber, es ist kein Brötchenjob, diese Verniedlichung will ich ihm nicht zugestehen, hätte auch Diminutiv schreiben können, um mich wichtig zu machen, aber es ist nur eine Verniedlichungsform; über diese Art der Selbstinszenierung bin ich hinaus. Mache mir wieder viele generelle Gedanken zum Thema Schreiben, las gestern Nacht ‚Bekenntnisse eines jungen Schriftstellers‘ von Eco zuende. Eitler Pfau, der Eco, aber bestimmt berechtigt, von dem was man hört, aber was weiß man schon, ist aber auch egal, denn der entscheidende Punkt ist ja die eigene Timeline, der sich nach hinten verjüngende Zeitstrahl, er wird immer dünner, bis er abreißt und sich einen neuen Zeitstrahlinhaber sucht. Wie balanciere ich auf ihm, ich, der ich schon auf der Leiter stehend Höhenangst bekomme? Phillipe Petit ist zwischen den beiden Türmen des World Trade Centers balanciert, so hoch, daß es eine Aufhebung von Höhe war, absurd hoch. Eine für mich angemessene Form der Literatur beinhaltet die Aufhebung der formalen Grenzen. Fiktiv, real, wer ist der Ich-Erzähler, gibt es überhaupt einen, wie läuft die Zeit, gibt es diese Worte wirklich? Absurd hoch, aber langweilig kann jeder. Morgen wieder Langeweile, der Druck zur Lebensabsicherung, geduldig erträgt er es. Fram Sogway hat zuende gepfiffen, diese Melodie, die eine Melodie, die er beherrscht, alle macht sie wahnsinnig. Niemand möchte den Frieden im Großraumbüro stören, aber dieses Gepfeife und Gesumme ist nicht zum Aushalten. Eigentlich möchte man nur aufstehen und ihm ungeschickt und ungeübt eins in die Fresse geben; wahrscheinlich ist Fram dann aber doch so ein Karatekämpfer und es nimmt ein böses Ende. Parallelwelt, zweite Familie, first place. Wenn er seine Zeit absitzt, in der Schirm starrt, dann denkt er immerfort nur daran, daß eigentlich alle immerfort nur an Flucht denken. Außer Fram, dem scheint der ganze Scheiß ja wirklich zu gefallen. Weil, der pfeift ja immer. Würde ich eigentlich eine dieser modernen Schreibmaschinen kaufen? Fünfhundert Dollar, sehr gute Tastatur, interner Speicher für eine Millionen Seiten, WLAN Anbindung zu den bekanntesten Cloud-Speicher Anbietern und einen kleinen, aber feinen e-Ink Display. Kein Laptop, eine moderne Schreibmaschine. Nachdem Petit die Show zwischen den Türmen gelungen war, mußte er ersteinmal das Leben feiern. Im Bett einer ihm unbekannten Dame. Obwohl er eine Freundin hatte. Hat Fram eine Freundin? Auf der Trauerfeier für Fram sitzt in der ersten Reihe eine Frau, gutaussehend wie aus einer US-amerikanischen Vorabendserie der Achtziger, inklusive des schwarzen Schleiers. Seine Mutter? Jeder weiß, daß er ein guter Sportler war (Karate?) und jetzt soll es das gewesen sein mit ihm? Ertrunken beim Versuch die Alster zu durchqueren, vom amerikanischen Konsulat zum Kuhmühlenteich. Glaubt doch niemand wirklich. Und dann diese Frau, die so gar nicht zu ihm passt. Die pfeift ja noch nicht mal!

Zwischenbericht

Da sitze ich also nun, der Monat November neigt sich gefährlich dem Ende entgegen und mein ‚Wordcount‘ beträgt gerade mal 15 000 Wörter. Das ist gemessen an den Vorgaben der Veranstaltung natürlich eher lächerlich, aber ich bin ein Mann mittleren Alters und habe einfach mannigfache Verpflichtungen und begrenzte Energie, so daß ich nicht einfach bei jeder Gelegenheit schreiben kann und auch eher schneller müde werde. So weit zu den Entschuldigungen. Darüberhinaus habe ich aber auch ein Sujet gewählt, daß es schwierig macht. Bei einem Fantasyroman könnte ich einfach mal ein paar tausend Wörter an Beschreibungen von Welten oder exotischen Völkern rauszuhauen. Denke ich mir so. Tja, eigene Schuld. ABER: Ich habe schreiben gelernt! Und das ist wirklich eins der herausragenden Resultate von #NaNoWriMo. Es fällt mir durch die Regelmäßigkeit des Schreibvorganges jetzt um einiges leichter, einen Text zu formulieren und diesen dann auch konsequent runterzuschreiben. Wie bei allem macht wirklich Übung den Meister.  Darüberhinaus habe ich aber auch an einem Treffen der Gemeinde teilgenommen und dafür, daß ich mir gar nicht vorstellen konnte in einer Runde von fremden Menschen, in einem öffentlichen Raum, in diesem Fall einem Cafe, etwas zustande zu bringen, ging mir sowohl die Konversation, als auch das gemeinschaftliche Tippen gut von der Hand. Natürlich war ich einer der älteren Teilnehmer, aber das war kein Problem. Ich wurde freundlich integriert und habe auch an meinem ersten Word-War teilgenommen (schreiben möglichst vieler Wörter auf Zeit), jedoch kläglich versagt. Man muss sich einmal vorstellen, daß es Menschen gibt, die einfach mal innerhalb von einer Viertelstunde, 900 Wörter in den Rechner tippen konnten! Unfassbar! Trotz des gemeinschaftlichen Vergnügens, des Kakaos und der Natas,  bevorzuge ich das Schreiben in meinem stillen Kämmerlein, denn obwohl es eine herzliche und freundliche Atmosphäre war, gab es doch auch sehr viele Ablenkungen und die Lautstärke war auch recht hoch von Zeit zu Zeit.

So werde ich jetzt meinen Roman in kleinen Schritten weiterschreiben und zum Abschluß bringen. Ohne das NaNoWriMo Experiment hätte ich dazu wohl noch ein paar Jahre gebraucht. Also, weiter geht’s!