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Der Sinnlack in dünnen Schichten, über einem universellen, wahrhaftigen Kern. Er würde seinen netten Nachbarn erschlagen, wenn es um die letzte Dose Ravioli ging, selbst wenn er keinen Dosenöffner zur Hand hätte. Eine Berührung, ein Lächeln, Zuwendung, Austausch – die wahren Kostbarkeiten jenseits der Speisekarte beim Chinesen. Er lernt: die komplexen Aufsätze sind immer in Bewegung; werden neu verhandelt. Das, was er für sicher hielt, ist nur eine Vorstellung von einer Übereinkunft. Die Tür zum Bad steht offen, schlurfen, tapsen; Ikea Pantoffeln, für Family-Mitglieder günstiger, erster Luxus, warmes Wasser, Hände, Gesicht, Achselhöhlen, er läßt das Waschstück schäumen, Ph-neutral, dermatologisch getestet. Zwischen den Beinen – hoffentlich, denkt er, kann ich bald mal wieder duschen. Eigentlich sollte man auch jedes mal. Seide. Zahnseide? Was für eine merkwürdige Benamung. Zweiter Luxus, Wechselstrom, hat nur auf ihn gewartet, in der Dose. Rasierer raspelt, Bruchstücke landen im Waschbecken. Ankleiden. Mittlerweile Cyborg, Teile, die im Krematorium übrig bleiben, obwohl: er möchte gerne seinen Leib der Wissenschaft vermachen; zuerst die Füße, dann die Beine, Rumpf und endlich der Kopf. Caput draconis. Junge Menschen wühlen in seinen Eingeweiden. Irgendwann lässt er sich „Ich war einst so wie Du!“ stechen. Memento mori, bevor du dich im Golfclub anmeldest, Schönling. Soll ich Werbung für Hamburg machen? Lokalkolorit, der große Hamburg-Roman? Hamburg, Gänsemarkt? Tricks, damit der Leser bei der Stange bleibt. Aber kaum passt man mal nicht auf, ist er schon losgelaufen; up, up and away! Die Straße runter, nichts zu suchen war mein Sinn, S-Bahn Monatskarte. Die Stadt rutscht vorbei, drei Stationen, jeden Tag tausende Menschen, der HVV will führerlose S-Bahnen einführen. In Kopenhagen hält der Zug punktgenau. Er taucht ein, Anonymität, keinen kratzt es, Sala fisten. Der Mann kreuzt wie ein Geleitzug durch das wogende, stauende, sich teilende und hinter dem Pharao schließende Rote Meer. Full speed ahead. Die Listen sind abgearbeitet, keine Punkte markieren die Stelle, weiße Flecken, Karte, Amundsen, Cortez, Magellan und er, alle arbeitslos. Tausende Touristen torkeln töricht umher, sehen die Stadt durch Displays. Du schließt den BH, schlüpfst in Schlüpfer. Kaffee, Frühstücksfernsehen, Brötchen mit Käse und Marmelade. Draußen Wiesen und Äcker, Braunvieh, nichts geht über Bärenmarke zum. Ich bin mir sicher, dass es nicht wichtig ist; bist du klein oder groß, dick oder dünn, klug oder dumm? Zum telefonieren reicht es, piep piep, flugs verbindet sich die Luftlinie, er greift in seine Tasche. Du sprichst bedächtig, die weichen Fasern werden mit der Zunge am Gaumen zerdrückt, bis der Saft austritt. Alles ist Ausdruck, Wort, Schilderung – es gibt keine Entsprechung dafür in der sogenannten realen Welt. Er sagt, du sagst, sagen sagt, langsam nähert er sich dem Wasser. Er zahlt, redet weiter, sitzt dem See auf, flüstert, du raunst, die Wellen schlagen leise ans Boot, im Winter Eis, knackend. tempus fugit. Hier ist er erregt, kommt ans Limit. In einer Bunkeranlage probt eine Band. Nichts verbotenes, trotzdem schlechtes Gewissen. Federvieh flaniert vorbei. Du malst in dunklen Farben deine Einsamkeit, der Sendemast dein Pinsel. Die Bergbewohner sind verschlossen, katholisch, cremefarben. Du bäumst, stellst, hältst. Dagegen. Ich sehe unauffällige Business-Kleidung, könnte aber auch eine Jeans sein. Und überraschenderweise einige Alleinerziehende. Viele haben es satt, viele sind dumm, viele haben schlechte Zähne, brausen auf, unterdenken und haben doch. Im hintersten Winkel. Es ist Nacht, er liegt zwischen Pizzakartons und atmet Hopfen und Malz aus, die Preußen kommen nicht. Du versuchst dein Lebenswerk zusammen zu halten. Neutrales Geld macht die Runde, immer wieder hält es bei dir, man muss ja sehen, wo man bleibt. Und irgendwo in der Ferne regnet grundlos. Feuer. Kinder.

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Nicht mehr hier und da, sondern nur noch jetzt. Grabenkrieg, es regnen die Granaten, Schrapnell schnell schnellend, zerfetzen Mark und Bein. Im Spiegel ein Fremder, nicht in der Lage, andere anzusehen. Jetzt wäre die Saison der niederen Instinkte – beißen, saugen, drücken, schlagen, schieben und durch nichts, zu, auf, spreizen, dehnen – Die Beziehung zum Leben, masochistisch, 10000, zehntausend Stunden, sagt der Taxifahrer, Glück. Ansonsten sorgen, Krankheit, Alter, Tod, Gebrechen. Wir alle, wie von Säure bespritzt, getauft, schon vor Jahren, kurz nach der Geburt, der Priester ein Vorgänger, die Eltern selbstsüchtig, bedeutungsgeil; dabei gab es schon Verhütungsmittel. Wie viel zählt dann die Liebe, das “heile, heile, Gänschen“, Schokoladeneis? Flatulenzweltmeisterschaften. Ergüsse, des sich windenden, schwindenden?, Geistes – Schuldzuweisungen, Selbsthass, selbstgefällig, Selbstmitleid. Orientierung an den Stars, als ob die es besser gewußt hätten. Mit dem Tandem nach Hamburg -denkbar, aber ängstlich – lächerlich, Verlust, Ausgeliefertsein. Martin Heidegger war ein Nazi. Jetzt habe ich es auch einmal geschrieben. Vollkornbrot mit Schinken. Die Gnade der freien Ernährung. Die Gnade der freien Ernährung. Die Gnade der freien Ernährung. Supermarktregalinhaltoverkill. Irgendwo fließt ein Bach, ein Strom, kaltes, klares, Steine mit langen grünen Haaren, Geräusche, Lungenbalsam, Fernigkeit. Weggehen, sich zurückändern, ziehen lassen, Risiken, eingehen. Einhergehend: Konzentration und Bescheidenheit? Wolkenkuckuck. Ich gehe schwanger, mitsamt Morgenübelkeit. Warum suchst du nach Struktur, hörst du nicht die feuernden Neuronen? Konventionenkonzert. Vorfreudentanz á la ugandaise. Im Bauch von Krokodilen sammeln sich abweichende Ideen; später ratloses Erstaunen involvierter Zeitzeugen. Heute nicht anders, gleich bleibend, Konstante. Du ruderst in langen Zügen, die Landschaft fliegt vorbei und du stehst am Ufer, hältst dich an bekannten Pollern fest, während ich im Bett liege und schreibe. Auf den Wellen, große Wildheit, zweite Häute. Strandleben, das Schwert der Rückkehr, Umkehr, schwebt über deinem Kopf – aber der Sonnenuntergang entschädigt noch dafür. Ich liege im Bett und schreibe. Wie gern würde ich in langsamen, ausholend, schlangenartig, biegsamen, getakteten, in deinen feuchten Schoß. Dabei denke ich immer an Salzstangen, achtlos zerdrückt von kleinen Kinderhänden. Doch das ist ich. Ich schlaflose Nächte durch. Du kannst im stehen pinkeln, du auch, du nicht. Weit entfernt, irgendwo in Flandern, kauernd im Schützengraben, Trenchcoat, Armbanduhr, Zeit zum Angriff. Garbengaben. Fiel Feind, fiel er. Inmitten des Geschreis, der Toten im Matsch, der Verwundeten: es erscheint der kleinste gemeinsame Nenner. KgN schreitet übers Feld, alle jubeln ihm zu, wollen ihn berühren, wie eine Hostie, Sakrament, Eucharistie. KgN segnet seine Kinder, die seine Erschaffer sind. KgN tröstet, den Rucksack prall gefüllt mit leeren Versprechungen. Weihnachtswunder.

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Die Tage laufen ein, treten aus, gehen ineinander über, Golgatha , nicht ganz so schlimm, aber ein bisschen, Drama Boy reitet, aber dann doch reale Gefahr. Der edle Wilde, Manitu, komm in mein Tipi, falsche Welten, falsche Gefühle. 5 Minuten Fußweg, olympiareif, Olympiastandort Hamburg. Nix geworden. Du schaust mir immer noch über die Schulter, head and shoulders, er hatte schwarzes Haar auf seinem gewaltigen Schädel mit rieselnden Schneeflocken. Frohlocken. Muss mich irgendwo festhalten. Konjunktivisch. Supersamenleiter. Abbruchreife erreicht. Er schaut sich um und kann sein Glück kaum, wenig und eigentlich gar nicht. Wie alle. Der Bauch ist voll. Die Physis bremst, steht auf dem Pedal, es stottert, stockt, rumpelt den Feldweg. Das Weglassen von Verben wird zu einer Masche – das Jahr der bröselnden Salzstange. Die Indifferenz des Gesundheitsbetriebes. Die Fürsorge des Gesundheitsbetriebes. Es regnet, der Geist, die Geister treten auf der Stelle, Kneipp-Kur, Verstand in Bad Ems, schwefliges Wasser trinken müssen und das dann auch noch gut finden. Kann ich den Text später ins Smartphone ( Ich habe nicht Handy geschrieben) diktieren? Arbeitsplätze in Schreibbüros werden vernichtet. Alle 3 Sekunden denken Männer an Sex – diese Statistik habe ich mir jetzt ausgedacht, weil meine Eier so prall sind, denke ich, Paralyse, was fühlt ein Gelähmter? Wird er noch geil – nicht daran denken! Vor der OP nochmal in die Vollen gehen, das einzige Laster, Transportmittel, der Blutdruck steigt und das Herz ist deutlich von außen zu hören. Hörspielfassung. Fass mir ans Glockenspiel! Glockenspiel weggelassen, schlechte Kritik bekommen; die Schlange war auch nicht anwesend. Was würde Chrysostomus dazu sagen? Mit Sicherheit – Türschlösser und Strategien – der Autor muss dahingehen, wo’s wehtut, Schmerzen erzeugt, die Komfortzone verlassen. Drecksmüdigkeit kommt wieder zu Besuch, aber wenigstens vertrage ich die Brille. Frau B ist weiterhin auf der Suche nach sich und auch kilometerweit. Fahren und Lebenszeichen, ehrliche gefakete Bilder, Fotografien, Selfies als Statement. Bald wachsen Flügel aus dem Fahrzeug und auch der Mars muss kolonialisiert werden. 1000, Tausend Kilometer am Tag, irgendwann eine Wettfahrt mit der TransSib, bis nach Jakutsk, Irkutsk oder Novosibirsk. Fähre dann nach Japan. Ob die immer noch Automaten mit getragenen Höschen haben? Blinde Flecken und gemachte Erinnerung (d.h. Erinnerung). Lumen, Candela, der Schreiber sollte sich immer einschließen, seine Familie vernachlässigen (falls vorhanden) und die Einsamkeit, das Alleinsein? aufsuchen, finden, sich darin. Schon wieder schaust du so komisch- ich will dich nicht bekehren, missionieren, umdrehen- I have nothing to sell – aber finanziere mir gefälligst meine Brötchen.

time passes 1

Dies ist kein Knalleffekt, keine Technik die Aufmerksamkeit zu erregen, zu binden, zu konzentrieren, Dich zu manipulieren über das unvermeindliche Maß hienaus, hinauß, hinaus, hinten raus, ich werde es nachschlagen und mich danach wundern. Die Müdigkeit schwappt von hinten gegen die Augen, es sind die Blauen, länglichen, die machen müde, sollen sie ja auch gewissermaßen, das Feuerwerk verhindern, im Zaum halten, sagt der symphatische Doktor K. Du gehst deines Weges, hast vielleicht andere Farben und Formen oder gar keine, wünscht man ja auch keinem, bist mir nie über die Füße getrampelt oder vielleicht doch und ich bin jetzt älter oder schon tot, komischer Gedanke, wo gerade jetzt alles zusammen kommt – Du, ich, das Geltungsbedürfnis, der Graf von Faber-Castell und wer weiß noch alles! Die Luft ist gerade feucht, es hat geregnet und wenn man lüftet wird die Bude feucht – ja, das ist eine Wortwiederholung, aber wollen es doch ehrlich angehen, du und ich und was noch kommen mag und wer. [time passes] Dann immer diese Momente, in denen man Technik erklärt, Pflegeanleitungen, damit der Akku lange hält – die Technik besitzt dich, dein Besitz besitzt dich und zwingt dir seine Regeln auf. Und wenn ich der Technik nicht mehr dienen kann, dann verliere ich meine Einkünfte, was durchaus der Fall werden könnte. Ohne in irgendwelche Bildschirme zu glotzen, gibt es heute wenig zu verdienen. Selbst die, die nicht in Bildschirme glotzen, müssen es heute tun. Aber daß es immer ein Happy End geben muß, ist genauso absurd wie die Sicht, daß das Leben sich lediglich um den Menschen dreht, Geschichte inklusive. Sich dem Internet zu verweigern ist fast schon ein selbstmörderisch-anarchistischer Akt, unerhört, tapps!, Flugmodus an, Sendeschluß! Für Letzteres mußt du wahrscheinlich dann doch wieder das Internet bemühen, sonst wird dir die Bedeutung nicht klar. Aber wenn du das hier liest, bist du vielleicht ohnehin so ein Wahrheitssucher, jemand, der sich durch den Unrat wühlt, um an die vermeintlichen Perlen zu gelangen, was aber auch nur eine Täuschung ist. Und falls jetzt das der Marketingabteilung eines Verlages ins Auge fällt – ja, auch ihr seid gemeint. Und schon offenbahrt, offenbart sich wieder das große, unterschwellige Bedürfnis nach Bedeutung, die alte Seuche, in unseren Zeiten durch Werbung und Konsum befeuert, geschürt, gelenkt. Fancy fashion boy? Modepüppi? Buch nach Einband gekauft? Aber mach dir nix drauß, ich bin nicht besser – als ob dieser Text jemals die Seiten der Kladde (der Website) verlassen und Gegenstand des Marktes werden würde – und wenn, wäre ich natürlich bauchgepinselt, spätestens wenn es Scheine dafür gäbe. Wenigstens ist das hier ein WYSIWYG, keine versteckten Fallen oder Stolperdrähte. Aber Wahrheit ist es eben auch nicht. Zur Zeit ist es für mich essen, verdauen, schreiben, schlafen und auch in anderer Reihenfolge, für die nächsten 10 Wochen, 60% von Achtzig Prozent, das wird hart, kaputtes Rückgrat, aber zum Glück nicht in der übertragenen Bedeutung. Schon wieder Bedeutung. [time passes]
Unfassbare Müdigkeit, muß acht geben, daß mir mein Kreislauf nicht ins Bodenlose fällt. Wahrscheinlich eiern da draußen Tausende herum, die keinerlei Beeinträchtigungen außer ihrer Fettleibigkeit oder quersitzenden Fürzen haben und die trotzdem den ganzen Tag jammern. Die Phasen, wo bei mir nicht irgendein Scheiß auftrat sind rar gewesen; Na und? Halt einfach die Klappe – andere haben es noch viel schwerer. Man darf nicht klagen (darf man nicht?), sollte nicht jammern, zum Schluß hat man ohnehin die Torte im Gesicht. Nix mit Leben nach dem Tod, Jungfrauen für alle, mit nem Met anstoßen bei den Vorfahren in Walhalla. Alles Tröstungsquatsch, selbst ansonsten kluge Leute klammern sich daran – Religion wird halt vererbt. Stopfe mir drei Kekse rein, der Zucker wirkt, dreht hoch, sitze im Luftstrom, Durchzug, schön kalt – auf den Ohren streichen Streicher – warum heißt das eigentlich Klassik? [time passes] Immer wieder anrennen und verlieren gegen die Vergänglichkeit, gegen den Verfall und den Niedergang, Schmodder, Schleim, Schimmel, Staub. Alle Objekte, der eigene Körper, Hoffnungen, Träume, Vorstellungen – davon wie das Leben zu laufen hat. Besonders schön, wenn das Portemonnaie leer ist wie das Konto – Handlungsspielraum erhalten, my ass! Das Vorrecht der Kinder: Unbeschwertheit. Aber auch nicht alle. [time passes] Draußen vorm Fenster bewegen sich die Eichhörnchen durch die Bäume, deren Blätter sich langsam verfärben. Irgendwo da draußen trifft sich Frau B. mit der baltischen Band (B, baltische Band, BBB), die sie auf irgendeinem Festival kennengelernt hat, getroffen hatte. Sie, die merkwürdige Frau, immer auf der Flucht vor sich selbst, Nebenjobs im Service, Zubrot, Kellnerin, Kontakte, Feiern. Was machen die jetzt? Lachen? Alkohol? Drogen? Sex? Oder einfach stockende Konversation in holprigem Englisch, hat man sich was zu sagen? Vielleicht reichen meine Phantasie und meine Erfahrungen im sozialen Miteinander nicht aus, mir eine adäquate Situation vorzustellen. Sind die Balten vielleicht einfach nur einsam? Oder zu höflich ein Treffen abzulehnen? Ich für meinen Teil treffe sie nur online und wir tauschen unsere Depressionsgeschichten aus oder sie zeigt mir Reisebilder, die weite Welt, ferne Strände, Meere, Dörfer an der Küste Portugals – dann schreibe ich Zurückgebliebender immer nur von meinen Kunstprojekten, schreiben, malen, phantasieren, was auch immer. Krücke, Kopfschmerz, Keppra. Wohin gehen eigentlich die toten Eichhörnchen, fallen die stumpf vom Baum? Bewege mich durch die Wohnung, schleiche, lehne an Türrahmen und schaue anderen bei der Arbeit zu. Darf noch nicht mal ein Staubtuch benutzen. Probiere die neuen Matratzen aus. [time passes] Sie sind wirklich hart, also genau wie gewünscht. Die Flugzeuge fliegen ab 6:00 über unser Haus hinweg. Ausnahme, weil die Start- und Landebahnen gereinigt werden müssen. Zuviel Abrieb von den dicken Reifen, Bremsspuren. Bin mal mit dem Dalai Lama nach Berlin geflogen. Er saß schon im Flugzeug, als wir Normalos einstiegen, erste Reihe, lächelte mich freundlich an, ich hatte die vorletzte Reihe und damals gab es noch richtig viele Goodies auf den innerdeutschen Flügen, Schokoriegel, Obst, Zeitungen, Getränke, alles für lau vor dem Flug. Schreiben ist Denken, nur das es auf einmal sichtbar wird. [time passes] Einkaufslisten, Flugzeuge, brumm brumm, das Dröhnen, Eichhörnchen.
Langweilst du dich schon? Bereust du deine Entscheidung? Die oberste Zensurbehörde wird gerade mit Fackeln und Mistgabeln belagert und mit ein bisschen Geduld kommen noch ein paar spektakuläre Details zum Vorschein oder ich erfinde einfach ein paar. In einer Stunde sind die blauen, länglichen Pillen wieder an der Reihe. In der Klinik hat mir die Krankenschwester die Braunnüle aus der linken Hand gezogen, eine Mullkompresse draufgeklebt und sich dann dem rechten Arm zugewandt. Dort gabs auch eine Braunnüle, Kunststoffnadeln, die man dann so ein paar Tage im Arm hat. Blut überall auf der linken Seite, trieft triefend, das Bettzeug voll, alles über mein Buch, Der Name der Rose, kopfüber im Schweineblutbottich. Habe schon wirklich lange keine Blutwurst mehr gegessen. Himmel un Ääd. Könnte jetzt verraten, daß die Schwester mir als Entschuldigung für die Blutsauerrei an die Nudel gefasst hat und so ein bisschen rumgewichst, aber hat nicht geklappt wegen der vielen Medikamente, da habe ich mich dann entschuldigt und wir mussten beide ein wenig lachen, denn mein 92-jähriger Zimmernachbar hat von nichts was mitgekriegt. Ein eigentlich noch sehr patenter und lebendiger Kerl, mußte auch die Blauen, länglichen nehmen. Sagt, er sei mal Bauarbeiter gewesen, dann ist er zur Justiz gegangen. [time passes]
Hypoglykämie, hypoglykämischer Index, Ernährung, Vollkorn (wenn es denn sein muss), fight or flight, muß mich aber trotzdem gerade halten, der Tisch ist niedrig, die Blauen, länglichen machen mich wieder hundemüde, aber ich muß schreiben, wenigstens ein bisschen. Das Internet macht uns alle nur kirre, du, ich, wir sind gar nicht für solche Informationssturmfluten ausgelegt – früher war alles besser. Die ersten Digitaluhren, Batterien ruck-zuck leer, Zeit flammt kurz rot auf, super-winzig, Bribery, ein Geschenk des lokalen Mini-Mafiosis an meinen Vater, der dafür bestimmt öfters mal das ein oder andere Auge zugedrückt hat. Einladungen zu Parties auf denen zu Boney M getanzt wurde, Ringelrein an der Stahlkette, neun Fläschchen Cola, Liz; der Typ selber wäre wohl gerne ein Jean-Paul Belmondo gewesen. Und auf einmal waren die Erwachsenen weg, ich sie irgendwann suchen und finde nur einen Flur in der oberen Etage, langer Flur, weiß mit roten Tupfen an den Wänden und denke, frage mich a.) darf ich irgendwo reingehen und nach den Eltern suchen und b.) warum rote Tupfen? Dann kommt ein großer Hund, geht mir zur Brust, aber freundlich, wedelt immer mit seinem Schwanz, hin und her, das Ende seines Schwanzes blutig gebissen tupft rote Farbe auf die weißen Wände. Späte Siebziger. Da gab es Parties, bei denen die Ehefrauen Autoschlüssel aus Schüsseln zogen, um dann mit dem jeweiligen Autobesitzer, natürlich männlich, nach Hause zu fahren und zu bumsen, zu ficken, zu blasen, zu lecken, geleckt zu werden und zu spritzen und bespritzt zu werden – sexuelle Toleranz nannte man das. Ich habe damals nur neun Fläschchen Cola getrunken. Das war auch schon was.
Jean-Paul Belmondo Kleinganove handelte mit Autoteilen, hatte einen riesigen Schrottplatz und auf dem liefen Hunde rum, Maschendrahtzaun, Stacheldrahtgarnitur, die Hunde bellend, zähnefletschend und wenn man sich dem Zaun näherte und zu lange davor stehen blieb, dann brüllte er von seinem Wachturm-Büro hinunter „Hau ab oder ich breche dir den Arm!“. Natürlich nicht zu mir, aber zu anderen. Angstfrei zu sein ist schön. Die Blauen, länglichen! Sie würden dich auch angstfrei machen, Chemie in meiner Birne, deiner Birne, keine Angst vor großen Hunden oder elektrischen Stürmen im Gehirn.

Prince ist tot

Der Blutzucker ist reguliert, Bratensaft und Grünzeug, aber vor allem Reisehydrate. Nur weil noch genug für alle da ist, gehen wir uns nicht an die Gurgel, erkennen nicht den Niedergang. Warten auf den Knall, keiner bewegt sich, es könnte ja falsch sein. Nehmen Sie bitte JETZT ihre Drogen – machst Du schon? Sehr schön. Durch meine Adern fließt nur Wasser, klar und rein, noch bomben keine Bomber die Wasserwerke weg, nicht hier, woanders lediglich, kann ich aber nicht sehen, hören, spüren, also ist es nicht so schlimm, im Supermarkt vermisst mich der Metzgermeister. Immer wieder nachlesen. Klingt es gut? Nickst du mit dem Kopf? Ab wann beginnt Verantwortung? Muß man Politiker sein oder 120k Pfund Sterling verdienen? Taugen die Heiligen als Vorbild, auch wenn man nicht gläubig ist? Franziskus? Entsagung muß ich entsagen.
Die letzte Zeit nur Barock, Klavierkonzerte und Bach – Prince darf jetzt mal ran. Erste Partyerfahrung, Vollhorst, expressives Rumgetanze, dabei wollten alle nur Duran Duran hören. Jugendheim-Assis. Die Hände unterm Pulli, zwei Finger im Mädchen und ich konnte nur durch meine Schauspielkunst begeistern. Wo sind diese Leute alle gelandet? Gohonzon, Tina Turner, name dropping buddhism, aber ich war dabei, alles ist Rückschau, Erinnerung. Hatte ich das nicht schon mal irgendwo erwähnt? Renne rum wie Yoda, dafür kann ich den Moonwalk. Liege im Bett und depressiere vor mich herum, dabei scheint doch die Sonne, oder? Kiss mag ich nicht mehr hören, habe ich jetzt mal geskipped. Vielleicht verkennen wir auch die Situation und es wird sich alles richten. Scharf. [time passes] Geänderte Situation, geräderte Situation – mein Patronus ist der Habicht – könnte ich doch nur darin aufgehen und untergehen, vergehen – wie in den alten Zeiten; dafür jetzt in der Lage sofort einen Kredit aufzunehmen. Schlechter Tausch. Langsam dreht sich der Planet um sich selbst, so daß es wieder dunkler wird. Immernoch geht die Sonne unter, sagen sie, überall. Darf ich eigentlich so sitzen? Mehr wissen. Morgen früh, aber Pausenbrote einpacken. Müdigkeit als Hauptcharakterzug. Wie sehr wir uns abstrampeln und bemühen, nur damit wir in die dritte Klasse einsteigen dürfen, auf den Obstkisten neben den Hühnern sitzen und auf den Schaffner warten. Es gibt diese verrückten Geschichten. Man sagt, es gäbe Menschen, die immer Erste Klasse nutzen. Die kennen es gar nicht anders, Bedienung am Platz, heiße Tücher und einen Champagner. Doch ich habe sie gesehen, mit eigenen Augen – die sitzen da auf dem Dach, ab und an purzelt einer runter, sie klammern sich aneinander und den Zug, vielleicht sind sie richtige Menschen, aber ich bin mir nicht sicher. Fakt ist, daß sie immer öfter auftauchen. Die Kirchen rufen aber zur Solidarität auf. Was rufen denn die Synagogen und Moscheen? Sie sollten alle die Klappe halten, Hirnvergifter. Manchmal muß man aber auch einmal nett zu sich selbst, Fünfe gerade und Gott einen guten Mann. Bald kommt wieder Leben in die Bude – nur richtige Halbgevierte kann mein Textprogramm nicht abbilden – dann bin ich nicht mehr einsam. Jetzt bist du an der Reihe, Maske abnehmen, Visier hochklappen, offenen Auges, erhobenen Hauptes – und sich dann aber nicht beschweren, weil beschwerlich und ohne Bedeutung. Lass es mich einfach wissen, zeig mir deins, ich werde meinen Finger in deine Wundmale legen, obwohl ich nicht Thomas heiße. Und nachbohren.
Fragen
Fragen
Danach stoßen wir mit einem Kamillentee an und die Handinnenflächen werden gewärmt, es entsteht Vertrautheit und dann wachen wir auf.