nacht.txt

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Prankenhiebe von allen Seiten, besonders ins Entscheidungszentrum. Seitenhiebe auf die Prankenliebe. Jegliche Rückschau ist gemachte Erinnerung. Die Verbindungsglieder brauchen Vitamin D, sind brüchig, splittern – alles ohne Demenz. Um wieviel mehr, wenn es altert und es denkt, es sei noch im Vollbesitz. Einatmen, Ausatmen, ruhig. Aufmakken, Zumakken, der Sohn übernahm die Praxis, vielleicht auch diese Praxis. Ist „es“ die richtige Methode um Abstand zu gewinnen? Waten im Rückblick abenteuerlicher Erinnerungen, damals traumatisch, aber nun im Rückblick sanft. Gefängnisinseln und SS-Kasernen, Vogel friß oder stirb. Insgeheim Besuch samtweicher Haut, kleine Brüste, aber ehrfurchtgebietend, begehrenswert – Liebeslustversagen, nicht ob fehlender Potenz (reichlich vorhanden, immernoch!), sondern wegen Andacht, Unfassbarkeit, Gottgleichheit; unverhoffter Zugriff im Bett des Freundes. Klassik bis zum Morgengrauen, seh die Sonne als Mann. Vertane Chancen, ergriffene Gelegenheit. Weiter im Strom, Lebenssaftigkeiten; Steigerung der Illusion – überhaupt ist Illusion jetzt mein Lieblingswort. Aber. Nur. Jetzt. In Berlin, in Berlin. Später dann: ein Wiedersehen. Unmittelbare hoffnungslose Verehrungsfortsetzung, mittlerweile nur noch mit Vorstellungen vom Tod zu ertragen. Thema abgehakt, neues Erinnern, Wahlfreiheit, kramen im Unrühmlichen, Sinnen, Finger an der Nasenscheidewand, Blutkuppe – seit zwei oder drei oder vier Wochen, während der Magen revoltiert. Das ist keine fucking Lyrik, das ist mein Leben und weil ich nun flach liege, muß der Bleistift ran. Penetration ist einfach nicht. Mein Ding. Das Bett als Ort der Träume, der nicht gelebten, der vorgestellten Realität. Eine von vielen. Genauso, wie Du dir dein Leben vorstellst – wovor? Es gab auch Zeiten, da habe ich die Verkrüppelten geführt, wie einen Blinden an der Schulter – falsche Busse und schräge Blicke inklusive. Jetzt jedoch rede ich zu Dir – aus der Tiefe meiner Seele schreie ich um Hilfe, vergiß mich nicht, laß mich nicht alleine im Dunklen zurück, gedenke meiner, stell‘ eine Kerze auf in Sankt Blasien, bete zu deinem Gott oder deinen Göttern. Brandopfer. Klatschen in die Hände, Verneigung. Vielleicht sollte ich Bepanthen in die Nase drücken; jetzt nur eine Tamponage aus einem Tempo. Die Wunde schließt sich, es bleibt nur Schleim übrig – wie am jüngsten Tag. Wabelnde Glibbergeleeanortung. Kein Trinkwasserschutzgebiet. Viele Kreuze, damals kamen die Staatsgäste und ich konnte es vom Wohnzimmer aus sehen. Jetzt bin ich nichts, damals das Zentrum. Draußen laufen junge Stimmen, leise, laut, leise. Ich spreche nicht durch diese Personen; ich liebe dich, spucke es in dein Gesicht und lasse lange Fäden auf dein Geschlechtsteil tropfen. Spürst du es? Wir sehen uns gemeinsam steinige Strände an. Wahrscheinlich Frankreich, aber es könnte auch der Saint Michaels Mount sein. Rostige Seewassertruhen ruhen auf braunen Rädern; Wirtschaftsgerippe und die Flaneure flanieren vorbei – lächelnd. In meinen Gedanken dauert der erste Kuß an, immer wieder. Also ist es doch eine Liebesgeschichte, sagst du, und ich schlage es Dir aus dem Kopf. Die Nacht naht, ich vergesse Wörter, greife ins Leere, ziehe mir die Decke über den Kopf. Wenn ich mitten in der Nacht. Sechs Jahre, blaues Licht und immer. Neulich jedoch, sind die Gebäude aufs Normalmaß geschrumpft.

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Keine Menschen, selbsterhaltende Sklaven. Wenn nicht mehr konsumieren, böse werden. Keine Stimme, nur noch unartikuliertes Geblöke, Geschrei, Karikatur von Protest. Danach beruhigtes Shoppen. Freiheit heißt Freiheit im Tod. Die Kinder gepresst, dressiert, geformt, Pellets für den Wirtschaftsofen. Acht Milliarden auf dem Weg, Sonntagsbraten für alle. Was bleibt ist das weiße Blatt Papier, Werteleere, Elvis und Coca Cola in Rente, seit langem schon, Schweigen der Linken. Flagelanten prozessieren durch die Straßen, ihre prekäre Lebenssituation als Monstranz vor sich her tragen, Vergebung erflehend. Eine andere Form der Vergangenheitsverklärung. Überall Symptome, gründen nicht: wahrscheinlich: die Melodie neigt sich dem Ende, die Musiker out of sync, Schuldzuweisungen – wer hat zuerst den Takt verloren? Die Apokalypse des J. Achthirsch. Den Kindern erzählt man ja auch nicht die volle Wahrheit, könnte die Psyche beschädigen; denkt den keiner an die Kinder? Dann wiederum: Diese vitalen Ausländer! Die machen noch Nägel mit Köppen und schnackseln halt gerne. Schwachköpfe aller Länder, vereinigt euch – dann geht es wenigstens schneller. Die Zeit der streitenden Reiche, drehen im Kreis, Hamburger Dom auf Speed inklusive Vergünstigungen am Familientag, dabei sind wir doch alle eine große Familie, nech? Also doch Tee trinken, zurücklehnen, erste Reihe. Keine Verpflichtung zum Optimismus – schreibt ihr ruhig eure Fantasy-Stories. Wenn es euch gut tut. Wahrscheinlich auch eine typische 1st World Haltung, der Müllkippenbewohner hat gar keinen Tee. Der Supermarkt als gut ausgeleuchtetes Mahnmal – wer hier nicht kotzt, hat kein Herz. Schweinereien. Wer Augen hat zu sehen und Kredit. Kohle auffer Kante. Reisen bildet nicht, in Stockholm alles bargeldlos – irgendwo huschen ein paar traurige Elche rum und beleben das Stadtbild. Kotverdichter. So bekämpfe ich meine Angst. Ansehen von OP-Videos auf YouTube. Denken man weiß. Blutige Säulen verlieren tragende Elemente. Substitute. Und Narben. Sting hebt seinen moralischen Zeigefinger. Das Unwählbare wird wählbar. Viele der Wohlstandswitze sind schal, Heiterkeit aber dringend notwendig. Zerstörung als Sinn an sich, Aktionen der Sinnlosigkeit, Exportschläger, Garant für Arbeitsplätze. Binnen. Laßt uns alle Drogen aufessen, die Dealer totschlagen. Praktische Lösungen sind gefragt. It’s all too much, sitzen auf gepackten Koffern. Nach Auschwitz. Das hat nichts mit schwitzen zu tun, noch nicht mal mit Witzen. Witzchen. Geburtstagsfeier. Kuchen, Chips und Limonade. Ratgeber für mehr Selbstbewußtsein, contradictio in eo ipso. Verzweifelte Bestätigungssucht. Schlußendlich so ehrlich wie es nur ging. Was wissen die Tiere?

72—xx.txt

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Der Sinnlack in dünnen Schichten, über einem universellen, wahrhaftigen Kern. Er würde seinen netten Nachbarn erschlagen, wenn es um die letzte Dose Ravioli ging, selbst wenn er keinen Dosenöffner zur Hand hätte. Eine Berührung, ein Lächeln, Zuwendung, Austausch – die wahren Kostbarkeiten jenseits der Speisekarte beim Chinesen. Er lernt: die komplexen Aufsätze sind immer in Bewegung; werden neu verhandelt. Das, was er für sicher hielt, ist nur eine Vorstellung von einer Übereinkunft. Die Tür zum Bad steht offen, schlurfen, tapsen; Ikea Pantoffeln, für Family-Mitglieder günstiger, erster Luxus, warmes Wasser, Hände, Gesicht, Achselhöhlen, er läßt das Waschstück schäumen, Ph-neutral, dermatologisch getestet. Zwischen den Beinen – hoffentlich, denkt er, kann ich bald mal wieder duschen. Eigentlich sollte man auch jedes mal. Seide. Zahnseide? Was für eine merkwürdige Benamung. Zweiter Luxus, Wechselstrom, hat nur auf ihn gewartet, in der Dose. Rasierer raspelt, Bruchstücke landen im Waschbecken. Ankleiden. Mittlerweile Cyborg, Teile, die im Krematorium übrig bleiben, obwohl: er möchte gerne seinen Leib der Wissenschaft vermachen; zuerst die Füße, dann die Beine, Rumpf und endlich der Kopf. Caput draconis. Junge Menschen wühlen in seinen Eingeweiden. Irgendwann lässt er sich „Ich war einst so wie Du!“ stechen. Memento mori, bevor du dich im Golfclub anmeldest, Schönling. Soll ich Werbung für Hamburg machen? Lokalkolorit, der große Hamburg-Roman? Hamburg, Gänsemarkt? Tricks, damit der Leser bei der Stange bleibt. Aber kaum passt man mal nicht auf, ist er schon losgelaufen; up, up and away! Die Straße runter, nichts zu suchen war mein Sinn, S-Bahn Monatskarte. Die Stadt rutscht vorbei, drei Stationen, jeden Tag tausende Menschen, der HVV will führerlose S-Bahnen einführen. In Kopenhagen hält der Zug punktgenau. Er taucht ein, Anonymität, keinen kratzt es, Sala fisten. Der Mann kreuzt wie ein Geleitzug durch das wogende, stauende, sich teilende und hinter dem Pharao schließende Rote Meer. Full speed ahead. Die Listen sind abgearbeitet, keine Punkte markieren die Stelle, weiße Flecken, Karte, Amundsen, Cortez, Magellan und er, alle arbeitslos. Tausende Touristen torkeln töricht umher, sehen die Stadt durch Displays. Du schließt den BH, schlüpfst in Schlüpfer. Kaffee, Frühstücksfernsehen, Brötchen mit Käse und Marmelade. Draußen Wiesen und Äcker, Braunvieh, nichts geht über Bärenmarke zum. Ich bin mir sicher, dass es nicht wichtig ist; bist du klein oder groß, dick oder dünn, klug oder dumm? Zum telefonieren reicht es, piep piep, flugs verbindet sich die Luftlinie, er greift in seine Tasche. Du sprichst bedächtig, die weichen Fasern werden mit der Zunge am Gaumen zerdrückt, bis der Saft austritt. Alles ist Ausdruck, Wort, Schilderung – es gibt keine Entsprechung dafür in der sogenannten realen Welt. Er sagt, du sagst, sagen sagt, langsam nähert er sich dem Wasser. Er zahlt, redet weiter, sitzt dem See auf, flüstert, du raunst, die Wellen schlagen leise ans Boot, im Winter Eis, knackend. tempus fugit. Hier ist er erregt, kommt ans Limit. In einer Bunkeranlage probt eine Band. Nichts verbotenes, trotzdem schlechtes Gewissen. Federvieh flaniert vorbei. Du malst in dunklen Farben deine Einsamkeit, der Sendemast dein Pinsel. Die Bergbewohner sind verschlossen, katholisch, cremefarben. Du bäumst, stellst, hältst. Dagegen. Ich sehe unauffällige Business-Kleidung, könnte aber auch eine Jeans sein. Und überraschenderweise einige Alleinerziehende. Viele haben es satt, viele sind dumm, viele haben schlechte Zähne, brausen auf, unterdenken und haben doch. Im hintersten Winkel. Es ist Nacht, er liegt zwischen Pizzakartons und atmet Hopfen und Malz aus, die Preußen kommen nicht. Du versuchst dein Lebenswerk zusammen zu halten. Neutrales Geld macht die Runde, immer wieder hält es bei dir, man muss ja sehen, wo man bleibt. Und irgendwo in der Ferne regnet grundlos. Feuer. Kinder.